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PLA, PETG oder ASA: welches Material für welchen Zweck?

19. Juli 2026 · alanoi.ch

Zwei Filamentrollen in Grün und Orange

Beim 3D-Druck entscheidet eine Frage mehr als Drucker, Einstellungen und Modell zusammen: Wo lebt das fertige Teil? Im Schrank, in der Spülmaschine oder ein Jahr lang auf dem Balkon? Daraus folgt die Materialwahl fast automatisch. Wer die Frage überspringt, druckt einen Handyhalter, der im Sommerauto zur Banane wird.

Drei Kunststoffe decken zusammen fast alles ab, was im Alltag anfällt: PLA, PETG und ASA.

Drei Fragen vor der Materialwahl

  • Wird es warm? Denk an direkte Sonne, das Auto, die Fensterbank, die Spülmaschine oder die Nähe zu Elektronik. Oder herrscht konstant Zimmertemperatur?
  • Kommt UV-Licht dazu? Draussen setzt vor allem das Sonnenlicht dem Kunststoff zu, mehr noch als der Regen. In den Bergen ist die UV-Belastung noch einmal deutlich höher als im Flachland.
  • Muss das Teil etwas aushalten? Wird es geklemmt, gebogen, fallen gelassen oder verschraubt, oder steht es einfach nur da?

Drei Mal «nein» heisst PLA. Wärme oder mechanische Belastung heisst PETG. Dauerhaft draussen in der Sonne heisst ASA.

PLA: der Standard für drinnen

PLA ist das Material, mit dem praktisch jeder anfängt, weil es sich einfacher druckt als alles andere. Es braucht niedrige Temperaturen, verzieht sich kaum, riecht nicht und kommt ohne geschlossenen Bauraum aus. Die Oberflächen werden sauber, feine Details kommen zuverlässig heraus, und die Farbauswahl ist die grösste am Markt. Dazu ist PLA beim Abkühlen sehr formstabil, steif und günstig.

Seine Schwäche ist die Wärme. PLA beginnt bereits bei etwa 55 bis 60 °C weich zu werden, und das wird im geparkten Auto an einem Sommertag locker erreicht. Ausserdem ist PLA eher spröde: Es hält hohen Druck aus, bricht dann aber schlagartig, statt nachzugeben. Im Dauersonnenlicht wird es über Monate mürbe.

Ein verbreitetes Missverständnis betrifft die Umwelt. PLA wird aus Pflanzenstärke hergestellt und gilt als «biologisch abbaubar», das gilt aber nur für industrielle Kompostieranlagen mit hohen Temperaturen. Im Gartenkompost oder in der Natur zersetzt sich ein PLA-Teil praktisch nicht. Der ökologische Vorteil ist der nachwachsende Rohstoff; bei der Entsorgung bringt PLA keinen.

PETG: der Allrounder für Funktionsteile

PETG ist chemisch mit den PET-Flaschen aus dem Supermarkt verwandt und schliesst die Lücke, die PLA offen lässt. Es hält rund 70 bis 80 °C aus, ist deutlich zäher und nimmt Feuchtigkeit nicht übel. Wo ein PLA-Teil bricht, gibt PETG nach und federt zurück. Dazu ist es chemikalienbeständig und hat eine gute Schichthaftung.

Im Druck ist PETG etwas anspruchsvoller. Es neigt zu Fäden zwischen den Bauteilen («Stringing») und zieht Feuchtigkeit aus der Luft. Eine Rolle, die monatelang offen herumliegt, druckt hörbar knisternd und liefert raue Oberflächen, was sich mit Trocknen zuverlässig beheben lässt. Feine Details geraten minim weicher als bei PLA.

Die häufigste Frage betrifft die Spülmaschine. Von den drei Materialien kommt nur PETG dafür überhaupt in Frage, aber ein heisser Spülgang liegt mit 60 bis 70 °C schon nahe an seiner Grenze. Für Teile, die dir wichtig sind, ist Handwäsche die sichere Variante. Unabhängig vom Material sind die feinen Rillen zwischen den Druckschichten schwer zu reinigen, deshalb ist ein gedrucktes Teil für Dauerkontakt mit Lebensmitteln grundsätzlich nicht die beste Wahl.

ASA: das Material für draussen

ASA ist für die Sonne gemacht. Man kann es sich als wetterfeste Version von ABS vorstellen: gleich zäh, gleich temperaturbeständig mit rund 90 bis 100 °C, aber zusätzlich UV-stabil und farbecht. Ein ASA-Teil auf dem Balkon sieht nach einem Jahr noch aus wie am ersten Tag, während PLA mürbe wird und PETG sichtbar vergilbt und verspröden kann. Für dauerhaften Ausseneinsatz ist es mit Abstand das beste der drei Materialien.

Gleichzeitig ist ASA das anspruchsvollste. Es verzieht sich stark beim Abkühlen und braucht deshalb praktisch zwingend einen geschlossenen Bauraum. Beim Drucken entstehen Ausdünstungen, also musst du gut lüften oder filtern, und ins Schlafzimmer gehört ASA nicht. Dazu kommen ein höherer Preis und weniger Farbauswahl.

Der Praxistest: das Auto im Sommer

3D-Drucker mit oranger Filamentrolle in einer Werkstatt
Welches Filament in den Drucker kommt, hängt davon ab, wo das fertige Teil später steht.

Das anschaulichste Beispiel ist das Handy-Zubehör fürs Auto. Ein geparktes Fahrzeug in der Sonne erreicht im Innenraum ohne Weiteres 60 bis 70 °C, auf dem Armaturenbrett noch mehr. Ein Handyhalter aus PLA hat dort seine Grenze bereits überschritten: Er verformt sich langsam unter dem eigenen Gewicht und hängt nach ein paar Wochen durch. Aus PETG gedruckt übersteht dasselbe Teil den Sommer problemlos.

Dasselbe gilt für Fensterbänke, Lampenschirme rund um warme Leuchtmittel, Halterungen an Heizungen und alles, was auf oder neben Elektronik sitzt.

Welches Material wofür?

  • Für Deko, Figuren, Geschenke, Spielzeug und Aufbewahrung reicht PLA. Drinnen, ohne Hitze und ohne Last wäre alles andere unnötiger Aufwand. Auch unsere Panini-Aufbewahrungsboxen fallen in diese Kategorie.
  • Ersatzteile, Clips, Halterungen, Scharniere und alles, was klemmt, druckst du in PETG. Hier zählt Zähigkeit mehr als Steifigkeit, denn ein Clip muss federn, ohne zu brechen. Darum drucken wir unsere Ersatzteile überwiegend in PETG.
  • In Küche und Feuchtigkeit gehört ebenfalls PETG, mit den Einschränkungen von oben. Ein paar bewährte Helfer fürs Zuhause findest du unter Küche.
  • Für Balkon, Garten, Velo, Briefkasten und Fensterrahmen, also alles, was ganzjährig Sonne abbekommt, nimm ASA.
  • Ist ein Teil nur kurz draussen, eine Saison lang und im Schatten, reicht meist PETG. Es ist deutlich einfacher zu drucken als ASA.

Was der Drucker dazu sagt

Die drei Materialien stellen sehr unterschiedliche Ansprüche an die Hardware, und oft entscheidet genau das. PLA läuft auf jedem Drucker, ohne Zusatzausstattung und bei niedrigen Temperaturen. PETG läuft ebenfalls auf fast jedem Drucker, will aber ein heisseres Bett, etwas mehr Düsentemperatur und trockenes Filament. ASA braucht einen geschlossenen Bauraum und ein hochtemperaturfähiges Heizbett. Ohne Gehäuse lösen sich grössere Teile beim Abkühlen an den Ecken vom Bett.

Bei PETG und ASA bringt ein Tipp am meisten: Filament trocknen. Beide ziehen Wasser aus der Luft, und feuchtes Filament steckt hinter erstaunlich vielen Problemen, die man sonst der Maschine anlastet.

Und die anderen?

TPU ist gummiartig flexibel und eignet sich für Dichtungen, Schutzhüllen und rutschfeste Füsse. ABS kann alles, was ASA kann, ausser der UV-Beständigkeit; wer die Wahl hat, nimmt für draussen ASA. PLA+ beziehungsweise «Tough PLA» ist PLA mit besserer Schlagzähigkeit, die Wärmegrenze bleibt aber praktisch dieselbe. Einen PETG-Ersatz hast du damit also nicht.

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