«Dein Haustier als Figur»: Dieses Versprechen taucht gerade überall auf. Meistens steckt ein hübsches KI-Bild dahinter, die Katze als Sammelfigur im Plastikblister, mit Acrylsockel und Verpackung. Das ist ein Bild, keine Datei, die ein Drucker lesen könnte, und schon gar nichts, was du in die Hand nehmen kannst.
Wir wollten wissen, wie weit der Weg vom Foto zur echten Figur tatsächlich ist, und sind ihn einmal komplett gegangen, mit Reese, unserem Sphynx-Kater, als Testfall. Hier steht, was die KI übernimmt, wo wir von Hand eingreifen mussten und warum es am Ende fünf Entwürfe gebraucht hat.
Schritt 1: Foto rein, Modell raus, in gut einer Minute
Wir haben mit einem einzigen Foto angefangen. Daraus rechnet ein KI-Dienst (wir nutzen Tripo) ein 3D-Modell. Das dauert etwa 75 Sekunden und kostet rund 20 US-Cent pro Versuch. Auf den ersten Blick sieht das Ergebnis verblüffend gut aus. Ohren, Kopfhaltung und Gesichtsausdruck stimmen, das ist Reese.
Ein Foto zeigt aber nur eine Seite. Alles, was die Kamera nicht gesehen hat, also Rücken, Schwanzansatz und die andere Flanke, hat die KI erfunden. Deshalb schauen wir uns jedes Modell von beiden Seiten an, bevor irgendetwas gedruckt wird.
Schritt 2: Von «sieht gut aus» zu «lässt sich drucken»
Das Modell aus der KI ist für den Bildschirm gemacht. Ein Drucker braucht ein wasserdichtes Netz, echte Millimeter und eine ebene Fläche zum Aufstehen. Warum das bei KI-Modellen fast nie von selbst stimmt, steht in 3D-Modell erstellen. Bei Reese sah das so aus:
- Die Modelle sind nie dicht, typisch sind rund 400 offene Kanten. Wir rechnen das Netz deshalb in einem Raster aus 0,5-mm-Würfeln neu auf, was alle Löcher auf einmal schliesst.
- Dabei verschwindet alles, was feiner ist als das Raster. Die haarfeinen Barthaare fallen weg, die eine 0,4-mm-Düse ohnehin nicht drucken könnte. Falten, Augenlider und Ohren bleiben erhalten.
- Die Figur wird auf rund 10 cm Höhe skaliert, und unten schneiden wir eine ebene Standfläche ab, damit sie auf dem Druckbett haftet.
- Ohren oder Beine, die irgendwo dünner als etwa 1,5 mm sind, würden brechen. Solche Stellen suchen wir, bevor es ernst wird.
Das Ergebnis siehst du oben: Reese in Weiss auf einer runden Standplatte, fotografiert am echten Druck. Aus demselben Grund zeigen wir im Shop nie ein Vorschaubild statt eines Drucks.
Warum fünf Entwürfe? Die Figur soll ihren Namen tragen
Eine Figur mit Namen ist ein Geschenk. Also haben wir den Namen dazugebaut und dabei fünfmal umgedacht:
- Zuerst stand ein Namensschild vor der Katze. Das war der erste Gedanke und wurde schnell ersetzt.
- Danach kam ein Halsband mit Anhänger, fest mit dem Körper verschmolzen. Das sah schöner aus, aber der Name braucht eine zweite Farbe.
- Also sollte es mehrfarbig werden, ohne Abfall. Beim normalen Mehrfarbdruck spült der Drucker bei jedem Farbwechsel Filament aus der Düse, und bei kleinen Teilen kann mehr Material im Abfall landen als im Teil. Darum druckte jede Farbe als eigener Auftrag, die Buchstaben als flaches Extra-Teil.
- Im vierten Entwurf wurden Halsband und Schild eigene Teile. Das Schild ist ein flaches Oval mit erhabenen Buchstaben und braucht nur noch einen einzigen Farbwechsel, ohne Kleber und mit kaum Abfall.
- Zuletzt kamen die Barthaare dazu. Weil sie im Raster verschwinden, drucken wir sie separat nach.
Die Details, an denen es hing
Das Halsband ist ein «C», kein geschlossener Ring, denn ein Ring käme nie über den Kopf. Es hat hinten einen 3,5 mm breiten Spalt und wird zum Anlegen aufgebogen. Das geht nur mit PETG, weil es leicht flexibel ist und die rund 2,5 % Dehnung verträgt. Aus PLA wäre die Biegung zu viel.
Weil der Kater Falten hat, würde ein glattes Band rutschen. Der Körper bekommt deshalb am Hals eine 0,8 mm tiefe Sitzrille, in der das Halsband einrastet.
Das Schild misst 20 × 13 × 2 mm. Die Buchstaben stehen 0,8 mm hervor, und der Farbwechsel liegt bei 2,0 mm. Die Öse ist 2 mm gross und passt für Ringe bis etwa 1,6 mm Drahtstärke. Die Kette selbst ist nicht Teil des Drucks.
Die Barthaare sind zwei flache Fächer aus weissem PETG mit je vier Strängen, nur 0,5 bis 0,8 mm breit und drei Schichten hoch. Sie stecken in Schlitzen an den Barthaar-Polstern.
Die Fotos in diesem Beitrag zeigen die gedruckte Grundfigur. Halsband, Schild und Barthaare beschreiben wir als Konstruktion; einen fertigen Druck davon zeigen wir hier nicht.
Was die KI nicht kann
- Wer ein Tier fotografiert, bekommt die Vorderansicht. Die Rückseite ist eine Vermutung der KI.
- Farbe und Fell kommen nicht mit. Ein Einfarbdruck zeigt die Form, keine Zeichnung. Muster und Augenfarbe müssten als eigene Teile oder Farbwechsel dazukommen.
- Wie ähnlich die Figur wird, hängt am Foto. Ein scharfes, gut beleuchtetes Bild mit klarer Sicht aufs Gesicht hilft mehr als jede Einstellung danach.
- Langes Fell haben wir noch nicht getestet. Reese ist fast haarlos und damit ein einfacher Fall, weil Haut und Falten das Umrechnen überstehen. Feine Fellstruktur wird im 0,5-mm-Raster geglättet. Wie das bei deinem Tier aussieht, zeigen wir dir deshalb vorab auf Vorschaubildern.
Was mit deinem Foto passiert
Für die Umrechnung geht dein Foto an Tripo, einen KI-Dienst mit Sitz in Hongkong. Vorher entfernen wir Metadaten wie Aufnahmeort und -datum: Das Foto wird neu kodiert und ohne diese Angaben verschickt. Alle Einzelheiten dazu stehen in unserer Datenschutzerklärung.
Und jetzt du
Du hast ein Foto und einen Namen? Im Auftragsdruck wählst du «Ich habe nur eine Idee oder ein Foto», lädst das Bild hoch und schreibst dazu, wie das Tier heisst und wie gross die Figur werden soll (Reese misst rund 10 cm). Wir melden uns mit Vorschaubildern und einer Offerte, und gedruckt wird erst danach.
Fragen vorab? Schreib uns. Wenn du lieber erst das Grundsätzliche zu KI und Druck lesen willst: KI und 3D-Druck: Was heute schon funktioniert.
